Fellpflege beim Hund: Welches Fell braucht welche Pflege?

EXPERTENWISSEN · FELLPFLEGE

Fellpflege beim Hund: Welches Fell braucht welche Pflege?

Nicht jedes Hundefell braucht die gleiche Pflege. Während bei manchen Hunden vor allem die Unterwolle entfernt werden muss, sollte anderes Fell regelmäßig getrimmt, geschnitten oder besonders gründlich gekämmt werden.

Groomerin Desirée Scherer arbeitet in ihrem Hundesalon mit ganz unterschiedlichen Rassen und Felltypen. Sie erklärt, worauf es bei Doppelfell, Trimmfell, Schneidefell, Kurzhaar und Mischfell ankommt.

Groomerin Desirée Scherer bei der Fellpflege eines Hundes

MERKSATZ

Nicht jedes Hundefell braucht die gleiche Pflege. Felltyp, Werkzeug, Technik und Pflegehäufigkeit müssen zusammenpassen.

Warum der Felltyp bei der Pflege entscheidend ist

Bürsten ist nicht gleich Bürsten. Welche Pflege sinnvoll ist, hängt entscheidend davon ab, welchen Felltyp ein Hund hat.

Bei einem Hund mit dichter Unterwolle liegt der Schwerpunkt beispielsweise auf dem Entfernen dieser Unterwolle. Bei einem Rauhaardackel oder Terrier gehört dagegen das Trimmen zur Fellpflege. Hunde mit Schneidefell müssen wiederum besonders regelmäßig und gründlich gekämmt werden.

Doppelfell: Die Unterwolle muss raus

Zu den Hunden mit Doppelfell gehören beispielsweise Golden Retriever, Husky, Pomeranian und Border Collie.

Bei diesen Felltypen sollte die Unterwolle mit geeigneten Unterwollbürsten oder Unterwollharken entfernt werden. Besonders wichtig ist das während des Fellwechsels im Frühjahr und Herbst.

Desirée empfiehlt, das Fell zu scheiteln und sich beim Bürsten Schicht für Schicht durchzuarbeiten.

DESIRÉES PRAXISTIPP

Das Fell scheiteln und sich Schicht für Schicht durcharbeiten – besonders während des Fellwechsels im Frühjahr und Herbst.

Vorsicht beim Scheren von Doppelfell

Desirée hat in ihrer Arbeit bereits Pomeranians und Golden Retriever gesehen, deren Fell zuvor geschoren worden war.

Nach ihrer Erfahrung kann das Scheren bei Hunden mit Doppelfell den natürlichen Fellzyklus stören und die Fellstruktur so verändern, dass das Fell seine natürliche Schutzfunktion verliert.

Bei besonders empfindlichen Pomeranians kann es laut Desirée sogar zu vollständigem Haarausfall, einer sogenannten Alopezie, kommen.

ACHTUNG BEI DOPPELFELL

Desirée warnt davor, Hunde mit Doppelfell einfach zu scheren. Die passende Pflegetechnik sollte sich immer am jeweiligen Felltyp orientieren.

Trimmfell: Abgestorbenes Deckhaar wird ausgezupft

Typisches Trimmfell findet man beispielsweise bei Rauhaardackeln und verschiedenen Terrierrassen.

Zuhause reicht bei diesen Hunden gelegentliches Bürsten. Dafür gehört bei diesem Felltyp das regelmäßige Trimmen zur Pflege. Desirée empfiehlt einen Abstand von mindestens etwa 10 bis 12 Wochen.

Beim Trimmen wird abgestorbenes Deckhaar mit Trimmwerkzeugen oder den Fingern ausgezupft, damit neues Fell nachwachsen kann.

TRIMMFELL AUF EINEN BLICK

✓ Zuhause gelegentlich bürsten

✓ Etwa alle 10–12 Wochen trimmen

✓ Abgestorbenes Deckhaar entfernen

Rauhaardackel beim Trimmen im Hundesalon

Beim Trimmen: Professionelle Fellpflege bei einem Rauhaardackel.

Rauhaardackel nach dem Trimmen

Nachher: Der Rauhaardackel nach der Fellpflege.

Schneidefell: Möglichst täglich kämmen

Pudel, Havaneser, Doodles und Malteser gehören zu den Hunden mit Schneidefell.

Bei diesen Felltypen empfiehlt Desirée, möglichst täglich zu kämmen. Auch hier sollte das Fell gescheitelt und Schicht für Schicht bearbeitet werden.

Anschließend kommt ein besonders wichtiger Kontrollschritt: Mit einem feinzinkigen Kamm wird das Fell noch einmal direkt von der Haut aus durchgekämmt.

DESIRÉES KAMM-CHECK

Der feinzinkige Kamm sollte flach an der Haut angesetzt werden und anschließend ohne Widerstand durch das Fell gleiten. Bleibt er hängen, sind noch Knoten oder Verfilzungen vorhanden.

Havaneser-Mix vor der Fellpflege

Vorher: Havaneser-Mix vor der professionellen Fellpflege.

Havaneser-Mix nach der Fellpflege

Nachher: Havaneser-Mix nach der professionellen Fellpflege.

Kurzhaar: Auch kurzes Fell braucht Pflege

Auch kurzhaarige Hunde sollten regelmäßig gebürstet werden. Dazu gehören beispielsweise Labrador, Boxer, Beagle und Französische Bulldogge.

Desirée empfiehlt bei diesen Felltypen, mindestens einmal pro Woche zu bürsten. Das trägt gleichzeitig dazu bei, dass weniger lose Haare in der Wohnung landen.

MERKSATZ

Kurzes Fell bedeutet nicht automatisch wenig Pflege: Auch Kurzhaarhunde sollten regelmäßig gebürstet werden.

Mischfell: Manchmal braucht ein Hund mehrere Pflegetechniken

Bei manchen Hunden kommen verschiedene Fellstrukturen zusammen. Desirée nennt beispielsweise Cocker Spaniel, Gordon Setter, West Highland Terrier und verschiedene Mischlinge.

Hier können entsprechend unterschiedliche Pflegetechniken notwendig sein. Entscheidend ist also auch bei diesen Hunden, sich die tatsächliche Fellstruktur genau anzusehen.

Regelmäßigkeit macht Fellpflege für den Hund selbstverständlich

Desirée empfiehlt, Hunde bereits im Welpenalter an regelmäßiges und korrektes Bürsten am ganzen Körper zu gewöhnen.

Die Pflege zuhause hat dabei nicht nur praktische Vorteile. Wird die komplette Fellpflege ausschließlich dem Groomer überlassen, kann der Salonbesuch für den Hund deutlich stressiger und negativer werden.

DESIRÉES TIPP

Hunde möglichst früh daran gewöhnen, dass Bürsten, Kämmen und die Pflege des gesamten Körpers ganz selbstverständlich zum Alltag gehören.

Welcher Felltyp braucht welche Pflege?

Felltyp Beispiele Pflege
Doppelfell Golden Retriever, Husky, Pomeranian, Border Collie Unterwolle entfernen, Schicht für Schicht arbeiten
Trimmfell Rauhaardackel, Terrier Gelegentlich bürsten, etwa alle 10–12 Wochen trimmen
Schneidefell Pudel, Havaneser, Doodles, Malteser Möglichst täglich kämmen und mit feinzinkigem Kamm kontrollieren
Kurzhaar Labrador, Boxer, Beagle, Französische Bulldogge Mindestens einmal pro Woche bürsten
Mischfell Cocker Spaniel, Gordon Setter, West Highland Terrier, Mischlinge Je nach Fellstruktur unterschiedliche Techniken kombinieren

ÜBER DIE EXPERTIN

Desirée Scherer

Desirée Scherer ist zertifizierte Groomerin und betreibt seit Mai 2025 ihren eigenen Hundesalon in Köln-Lövenich. Ihre intensive Ausbildung absolvierte sie an einer TÜV-geprüften Groomerschule in Düsseldorf. Zusätzlich bildet sie sich regelmäßig in Schneide-, Trimm- und Scherentechniken weiter.

→ Desirée Scherer kennenlernen